Немецкий с улыбкой. Учись смеяться не плача / Lerne lachen ohne zu weinen Тухольский Курт
© Нестерова Е. А., адаптация текста, комментарии, словарь
© ООО «Издательство АСТ»
Предисловие
«Смеяться, чтобы не плакать»: Курт Тухольский как загадка немецкой души.
Мы учим языки для того, чтобы понимать людей других наций.
Юмор же – одна из самых глубоких черт культуры: то, что греет и радует, заставляет человека улыбаться, должно затрагивать самое его сердце и душу.
Немцев обычно воспринимают как рационалистов и прагматиков. Фауст, считающийся воплощением национальной души Германии, был хорош, кажется, во всем, кроме смеха. Действительно, даже представить себе смеющегося от души немца (если это не баварец) достаточно сложно.
Отчасти это обусловлено историей Германии в последние два столетия. Немцы – сознательная нация. Они не используют смех как способ отгородиться от собственной истории и собственных ошибок. Немец серьезно относится к тому, что имеет, в том числе и к наследию своего прошлого. Поэтому юмор у авторов XX века если и появляется, то носит максимально общий, философский характер. Авторы стремятся использовать его так, чтобы не задевать других, что сделать весьма не просто, ведь смех всегда – смех над кем-то. Курт Тухольский (1890, Берлин – 1935, Гётеборг, Швеция) же наоборот видит в смехе начало, сближающее людей. Поэтому он хочет «научить» своих читателей – прежде всего, конечно, немцев – смеяться: если люди объединены смехом, они смогут избежать деяний, заставляющих плакать. Так можно расшифровать название книги.
Курт Тухольский будет интересен русскому читателю, как человек, сочетающий в себе немецкую строгость и серьезность с русской душевностью, глубиной пониманиядругого человека. В его текстах прорываются русские словечки, описывающие явления настолько далекие от немецкого характера, что он не находит им аналога в немецком языке. Сам автор, несмотря на еврейские корни, о которых он никогда не забывал, воспринимает себя как немца, он ничуть не отстраняется от происходящего в стране на его глазах. Напротив, он проживает это как историю равно личную и всемирную. Его проза ностальгична, душевна (совершенно не по-немецки), но при этом фиксирует события настоящего момента с ясной, холодной головой историка.
В Германии Тухольский считается непревзойденным мастером юмора. Русскому читателю придется внимательно вчитываться в зачастую абсурдные, но еще чаще исторически жуткие зарисовки Германии 30-х годов, чтобы нащупать пульс этого юмора: временами обвиняющего, временами очарованно, восхищенно радующегося чему-то или кому-то, но никогда не осуждающего – осуждать можно других, а автор не отделяет себя от того мира, в котором живет.
Der berhmteste Mann der Welt
All der Unsinn, den Mister Chaplin macht, kommt nicht aus dem vergeblichen Versuch, klug zu sein, sondern aus den misslingenden Versuchen, so zu sein, wie andere Leute auch.
St. John Ervine
Kein Parlamentarier ist der berhmteste Mann der Welt und kein Politiker, weder Wilson noch Poincar – kein Erfinder ist es, kein Tenor, kein Flugzeugfhrer. Der berhmteste Mensch ist zweifellos Herr Charlie Chaplin, ber den alle einmal gelacht haben: die Pariser und die Londoner, alle Amerikaner und die australischen Matrosen, die Besucher der chinesischen Kinos und neuerdings auch die Deutschen, der alte Kontinent und der neue – und dass der Mars noch nicht ber ihn gelacht hat, liegt nur an der mangelhaften Verbindung zu diesem kinolosen Mbel.
Mister Chaplin ist so:
Die Gegend betritt ein kleinerer Mann mit einem kleinen schwarzen Htchen, einem Stckchen, einem Schnurrbrtchen. Er geht, wie noch nie ein Mensch auf dieser Welt gegangen ist: er watschelt rasch und eilfertig auf zwei Fen, deren Spitzen ganz nach auswrts gedreht sind. Er hat schwarze, fast traurige Augen, und er sieht bekmmert in die Welt, weil es nun doch gleich einen Kummer geben wird. Richtig, da ist er.
Der Kummer ist ein dicker Mann, ein roher Bursche von ungeheurem Format, mit dem Herr Chaplin sofort aneinandergert. Weshalb, ist nicht ganz klar. Diese Filme sind berhaupt nicht ganz klar. Aber es kommt ja nicht auf[1] ihre Handlungslosigkeit an und auf das Gewirr von Prgeln, Feuerwehrschluchen, jungen Mdchen, auslaufenden Milchflaschen und herunterfallenden Gipsbsten. Es kommt auf ihn an, auf Mister Chaplin.
Aus den acht oder zehn Films, die bis jetzt nach Deutschland gekommen sind, bleibt eine Flle von Einzelheiten haften, deren jede vollendet gespielt ist.
Mister Chaplin ldt dreizehn Sthle auf seinen Rcken, sieht aus wie ein Morgensternsches Stuhlschwein und starrt vor lauter Stuhlbeinstacheln: Mister Chaplin ist aus dem Gefngnis entflohen, wo die amerikanischen Strflinge bekanntlich gestreifte Kleidung zu tragen haben, und erwacht morgens im Bett: verwundert und deprimiert gleiten seine schwarzen, klugen Augen ber den gestreiften Pyjama und ber die Gitterstbe seines Bettes – also doch? Wieder Gefngnis? – Nein, der Diener bringt den Kaffee. Und wie Herr Chaplin dann sofort aus dem geduckten Flchtling ein feiner Herr wird, mit einer Zuckung der Schulter, einem ganz unmerklichen Zusammenreien in den Augen: das ist schlechthin meisterhaft. Herr Chaplin muss hungrig zusehen, wie ein dicker Mann von vierundzwanzig Tellern sein Frhstck isst; dann soll er die leeren Teller abrumen. Ein Blick, zwei Lffel, und Herr Chaplin beginnt mit sieghafter Geste auf den Tellern Xylophon zu spielen.
All diese Einflle dauern nur einen Augenblick, das geht alles ganz rasch vorber, wird mit den sparsamsten Mitteln exekutiert. Er hat sich hinter einem umgestrzten Kchentisch verbarrikadiert und bewirft seine Partner mit gebratenen Kartoffelklen: blitzschnell taucht die Assoziation „Schtzengraben“ in ihm auf: er ergreift zwei leere Weinflaschen, steckt den Kopf ber den Tisch und beugt unendlich strategisch den Feind durch dieses neue Scherenfernrohr – und blitzschnell taucht er wieder unter.
Er hat eine Komik des Nichttuns entwickelt, die ganz ungeheuerlich ist. Der Mann, der sich nicht traut, durch eine Tr zu gehen, dreimal ansetzt und viermal umkehrt, ist noch niemals so gespielt worden wie von ihm. Er sitzt in der Heilsarmee und muss ber irgend etwas lachen, das neben ihm vorgeht – der strafende Blick des Predigers fllt auf ihn – Groaufnahme: man sieht ihn frhlich grinsen, und dann ist das Lachen wie mit einer Zange abgekniffen[2]. Unruhig ruckelt ein gerffelter Schuljunge auf seinem Platz, und ganze Vlkerschaften liegen unter dem Tisch.
Womit er das alles erreicht, ist vllig unbegreiflich. Manchmal nur mit einer kleinen Bewegung – er kann mit den Schultern weinen. Einmal wird einer massiert – Chaplin sieht den riesigen Bademeister und sein beklatschtes und maltrtiertes Opfer. Er wird der Nchste sein… Und in den unergrndlichen Augen liegt eine solche Angst, eine solche tiefe und fast tierische Furcht und dazu eine Gran Ironie, dass es so etwas gibt… Und er bewegt sich nicht, und man hrt ihn jeden Gedanken denken.
